Mobile Monday #38 – Blockchain

Mobile Monday #38 – Blockchain beyond Bitcoins

Der 38. Mobile Monday widmete sich dem Thema Blockchain in Österreich, beleuchtete aktuelle Best Cases und ließ anerkannte ExpertInnen aus den unterschiedlichsten Branchen ihr Wissen mit dem Publikum teilen.

Die DiskutantInnen am Podium
Throsten Hoffman vom Mobile Monday Austria im Publikum
Angela Tesar vom Mobile Monday Austria
Hannes Stiebitzhofer über die Österreichische Blockchainlandschaft
Fragen aus dem Publikum
Publikum
Das Mobile Monday Austria Team
Simion Hurghis von Loyalcraft
Christina Hubin von Upstream Mobility und Hannes Stiebitzhofer
Alle SpeakerInnen und das Mobile Monday Austria Team
Markus Costabiei bei der Präsentation seiner DSGVO Software
Markus Costabiei im Gespräch mit dem Publikum
Petra Angerbauer von der Wien Energie

Die besten Insights aus den Vorträgen und der anschließenden Podiumsdiskussion haben wir für dich zusammengefasst:

Was sind die Stärken eines auf Blockchain basierten Datenaustausches?

Digitale Informationen sind zum ersten Mal unveränderbar gemacht worden. Bei einem einzelnen Computer können schnell gespeicherte Daten modifiziert werden – sind sie aber auf Tausenden von Rechnern verteilt, bleiben sie für die Ewigkeit. Genau dadurch kann zukünftig auf Mittelsmänner verzichtet werden, deren Aufgabe es bisher war, gegen Bezahlung Empfänger und Sender zu regulieren, Transaktionen zu dokumentieren und freizugeben.

Wie nachhaltig ist die Blockchain?

Anfang des neuen Jahrtausends, als das Internet seinen globalen Siegeszug antrat, waren die Pilotprojekte an einer Hand abzählbar und der Innovationsgedanke verhalten. Die Blase trennte die Spreu vom Weizen, doch Online war hier, um zu bleiben. Genau so wird es sich mit der Blockchain verhalten. Wir befinden uns aktuell in einer Beta-Phase, in der wir ungestört ausprobieren und Erfahrungen sammeln können. Unternehmen, die sich jetzt schon damit auseinandersetzen, sind die Amazons, Googles und Facebooks von morgen.

Was ist der Unterschied zwischen Public und Private Blockchain?

Die Blockchain entspricht dem Ansatz der Shared Economy und kommt wie eine Open Source Software oder eine Car-Sharing Plattform der Allgemeinheit zugute. Anstatt ein Produkt zu verkaufen, steht die Dienstleistung am oder für das Produkt im Mittelpunkt. Einmal auf der Public Blockchain entwickelt, ist das Eigentum am Source-Code „verloren“ und das eigene Produkt für das Kollektiv öffentlich zugänglich. Es geht weniger um die Entwicklung vieler Features, als vielmehr darum, Fälschungssicherheit zu garantieren. Deshalb sollte man, bevor man Tür und Tor öffnet, erstmal „private“ bleiben. Ist das Projekt einmal öffentlich, gibt es keine Updates mehr.

Wen braucht es, um ein Blockchain-Projekt umzusetzen?

Wie bei allen anderen Projekten fängt es zuerst einmal damit an, ein ordentliches Konzept auf die Beine zu stellen und Anwendungsfälle zu hinterfragen. Die Blockchain ist kein Allheilmittel für alles. Gibt es einen Use-Case, benötigt man abseits von kompetenten ProjektmanagerInnen ein C-Level, das digitale Innovation versteht und fördert, sowie auf den jeweiligen Anwendungsfall spezialisierte IT-ExpertInnen.

Wenn du in Zukunft eine Stellenausschreibung für einen Smart Contract Developer entdeckst, weißt du, dass ein Use-Case auf der Blockchain nur einen Steinwurf entfernt ist. Fehlendes Know-How wird durch Kooperationen mit Start-ups, externen BeraterInnen und Inkubatoren aufgebaut.

Wie sicher ist die Blockchain?

Hart gesagt: Die Blockchain ist genau so sicher wie die Menschen sie entwickeln. Da wie dort wird es immer wieder kluge Köpfe wie den 15 jährigen Saleem Rashid geben, der eine Breach im Etherium Wallet entdeckt hat. Auch das „Recht auf Vergessen“ kann mit der Blockchain insofern umgesetzt werden, als dass persönliche Daten weiter in lokalen Datenbanken und nur die Zugriffsberechtigung auf der Blockchain gespeichert werden.

Und wie sieht es mit Regulativen aus?

Die Blockchain als Technologie per se muss natürlich nicht reguliert werden. Sobald es aber um Geld bzw. Währungen geht, ist ein übergeordnetes Aufsichtsorgan unumgänglich. Kontrollorgane und Aufsichtsbehörden sind nun ebenfalls dazu angehalten, sich auf die neue Technologie vorzubereiten und Normen einzuführen, die die darauf aufsetzenden Services noch sicherer für den Einzelnen machen.

Welche Anwendungsfälle für die Blockhain haben die Vortragenden präsentiert?

Ein Private Mobility Wallet – Christina Hubin, Upstream Mobility

Head of Research und Developement Christina Hubin hat mit ihrem Team von Upstream Mobility, einem Unternehmen der Wien Energie, ein Private Mobility Wallet entwickelt. Dieses vereint alle Mobility Angebote der Stadt Wien von Car Sharing Anbietern, über Taxi- und Mietraddienste zu Parkgaragen und Öffis unter einer gemeinsamen Plattform. Die Wien Mobil App ist dabei das bekannteste Service, das auf diese zugreift.

Neu daran ist ein sicheres Wallet, das auf einer Etherium Blockchain aufsetzt und dem User die Herrschaft über seine persönlichen Daten zurückgibt. Ein fälschungssicherer Identifier ermöglicht den Serviceproviden nur dann Zugriff auf die im Wallet gespeicherten Daten, wenn der User es freigibt.

Anders als bisher werden nun keine Daten bei den jeweiligen Service-Providern gespeichert, die Freigabe erteilt das Wallet automatisch, sobald ihr Besitzer zum Beispiel für eine Fahrt in der Bim berechtigt ist. Die KontrolleurInnen der Wiener Linien sehen in diesem Fall keinerlei persönliche Daten, sondern nur einen gültigen Fahrschein.

Das spart Vermittlerplattformen komplett aus, denn alles, was man für die In Anspruchnahme eines Mietwagens braucht, ist das Wallet und das Fahrzeug selbst.

Die Aktivierung für einen Dienst erfolgt mittels QR-Code, der aber ohne die vorher durch den User zugeteilte Berechtigung für alle anderen Services unlesbar ist.

Confirmation Matching und Enerchain – Petra Angerbauer, Wien Energie GmbH

Petra Angerbauer, die für Energiewirtschaftliche Systeme & Methoden in der Wien Energie zuständig ist, konnte gleich zwei Pilotprojekte vorstellen:

Zum einen entwickelt Österreichs größter Energieversorger mit mehr als 2.500 MitarbeiterInnen an einer Blockchainlösung für den Energiehandel zwischen großen Strom- und Gashandelspartnern. Als Kooperationspartnerin hat sich das Unternehmen das Blockchain Start-up BTL an Bord geholt, um ein Confirmation Matching für die korrekte Abwicklung eines Handelsgeschäfts zwischen zwei Gashändlern durchzuführen. Dies wurde auf der Plattform Interbit von BTL entwickelt.

Das Ziel dieses Pilotprojekts war die Abschätzung des Zukunftspotentials, der Nachweis der Skalierbarkeit und der Aufbau von internem Know-how. Mit geringem Entwicklungsaufwand wurden bereits 1000 Transaktionen pro Chain durchgeführt und die Skalierbarkeit auf 100.000 Transaktionen im gesamten Netzwerk bewiesen.

Das zweite Projekt namens Enerchain, das gemeinsam mit dem deutschen Consultingunternehmen Ponton umgesetzt wurde, beschäftigt sich als Weiterentwicklung mit dem Handel an sich und versucht durch die Blockchain Technologie bereits Broker auszusparen. Ein bilateraler Trade funktioniert normalerweise über Telefon, Chat oder E-Mail, was den HändlerInnen zu lange dauert. Mit den Trading Robots der Enerchain sehen die Counterparts nur mehr Geschäfte, die sie abwickeln dürfen, können sie mit einem Klick bestätigen und so kostbare Zeit sparen. Inwischen sind die Trading Robots bereits bei über 40 Energiehändler im Einsatz, was zusätzlich zum digitalen Pioniergeist der Wien Energie wertvolle Kontakte zu wichtigen Handelspartnern ermöglichte.

DSGVO für Unternehmen und Betroffene – Markus Costabiei, Geschäftsführer von Akarion

Die ganze Welt ächzt unter der Last der DSGVO? Die ganze Welt? Nein, ein kleines Start-up aus Linz erweist sich als Retter in der glänzenden Rüstung. Akarion schickt sich an, Unternehmen DSGVO-fit zu machen, indem es eine Softwarelösung auf der Blockchain bereithält, die als Metasystem an jede TOM (Technische und organisatorische Maßnahme) angedockt werden kann, um der Nachweis- und Informationspflicht nachzukommen.

Die Software richtet sich sowohl an die KundInnen, als auch MitarbeiterInnen des Unternehmens und erkennt, welche Daten für die DSGVO-Konformität von Relevanz sind. Dabei werden aber keine konkreten Kontaktaten gespeichert, sondern nur Ereignisse, die protokollieren, wo sensible Daten erfasst und weiterverarbeitet werden. Diese Ereignisse werden zusammengefasst und verschlüsselt.

So bilden sie eine belastbare Grundlage für Audits durch die Datenschutzbehörde.

Das Unternehmen bekommt überdies ein übersichtliches Tool, in dem alle wichtigen datenschutzbezogenen Tätigkeiten in Tickets erfasst werden. Betroffene Personen erhalten Zugriff über eine Web-App und können somit für die Aktualität ihrer Daten selbst sorgen. Das erspart den Unternehmen Zeit und Arbeit.

SnugStaff – eine auf Blockchain-Technologie basierte Kryptowährung als Stammkundenprogramm – Simion Hurghis, Gründer von Loyalcraft

Das Startup Loyalcraft mit Sitz in Wien möchte ein B2B Kundenbindungsprogramm für die Gastronomie etablieren. In der auf Bockchain aufgesetzten Software sieht der Gastroanbieter alle Tische als QR-Code abgebildet und greift über eine Datenbank auf servierte Speisen und Getränke mit ihren Preisen zu. Das Loyalitätsprogramm basiert auf dem Volumen (also den im Lokal ausgegebenen Betrag, sowie die Anzahl der Besuche) der Gäste, für das die BesitzerInnen Gutscheine in Form von Coins ausgeben. Zusätzlich erhöht sich der Punktestand durch das Engagement der Gäste in sozialen Medien, das Abholen von Stempeln und durch Online Rezensionen, die in der angedockten App SnugMenu angezeigt und eingelöst werden können.

Die Blockchain Landschaft in Österreich – Hannes Stiebitzhofer, Trainer und Berater von eigenheads consulting

Der gern als Speaker gebuchte Trainer Hannes Stiebitzhofer veranstaltet Bootcamps, die ihm und seinem Team Aufschluss über den Status Quo der gerade aktuellen Pilotprojekte und den Wissensstand in Österreich gibt.

Er sieht vor allem Handlungsbedarf auf C-Level, weil die MitarbeiterInnen, die mit digitaler Innovation betraut sind und die Blockchain in Unternehmen etablieren können, zumeist erst in der dritten und somit oft handlungs- und entscheidungsunfähigen Ebene zu finden sind.

Außerdem bemängelt er die noch fehlende Skalierbarkeit, die aufgrund des zeitraubenden Confirmation Matchings über mehrere Knotenpunkte hinweg auf Kosten der Transaktionsgeschwindigkeit gehen.

Ein großes Lob richtet er an die öffentliche Hand, denn die große Innovation in Sachen Blockchain geht federführend von Institutionen wie das Bundesrechenzentrum oder den Wiener Stadtwerken aus. Im internationalen Vergleich hinkt Österreich wie so oft Skandinavien und im Bereich der Supply Chain vor allem China hinten nach.

Quo Vadis, Privatwirtschaft?