Interview Claudia Poepperl

App Marketing wird überbewertet

Wie schnell großer Erfolg im mobile Business kommen kann, zeigt Claudia Poepperl, CEO des im Jahr 2009 gegründeten Unternehmens ADAFFIX. Was dabei geholfen hat und warum das viel diskutierte Thema App Marketing nicht immer die beste Methode sein muss um Benutzer für seine App zu gewinnen, verrät sie exklusiv MobileMonday Austria Interview.

 

Die ADAFFIX Anruferkennung erkennt Nummern, die nicht in Ihren Handy-Kontakten stehen, und schlägt bei erfolglosen Anrufen zu Firmen Alternativen vor. ADAFFIX wurde 2009 gegründet und war im Juni letzten Jahres einer der MobileMonday Demo Night Gewinner.

 

MoMo: Was hat sich seit der Demo Naight 2009 für dich verändert?

CP: In 1,5 Jahren kann sich für ein Start-up sehr viel verändern. Zur Demo Night 2009 waren wir nur in Österreich live. Jetzt sind es 10 Länder, wobei der Launch in Nordamerika (USA und Canada) aufgrund der Skalierbarkeit der Märkte essentiell war. In Europa sind wir jetzt in Deutschland, Dänemark, Schweden, Belgien, Ungarn, Slowakei, Tschechien und Österreich.


MoMo: Welche Erfahrung hast du in Barcelona bei den MobileMonday Premier Awards in Barcelona gemacht?

CP: Auszeichnungen sind für junge Firmen sehr wichtig, um innerhalb des Industriezweigs, in dem man tätig ist, anerkannt zu werden. In Barcelona haben wir am Tag nach den Mobile Premier Awards gleich noch den GSMA Global Mobile Award 2010 gewonnen.


MoMo:  Inwieweit konntet Ihr von der MoMo Community in Österreich aber auch global profitieren?

CP: Am meisten konnten wir durch die Public Relations und das Networking profitieren.


MoMo: Welche Tipps würdest Du Start-Ups mit einer tollen App-Idee geben? Was hat Euch besonders weiter gebracht?
CP: Ich halte es für extrem wichtig, dass man als Start-up sowohl technische als auch kommerzielle Experten an Board hat, die die Branche sehr gut kennen.
Von Vorteil sind Investoren, die nicht nur finanzielle Mittel bereitstellen, sondern durch mit Know-how und ihren Kontakte in der Branche weiterhelfen können.
Fundraising ist außerdem immer leichter, wenn man die App bereits im Markt hat und das Geschäftsmodell klar darstellen kann.


MoMo: Kannst du ein bis zwei Learnings nennen, die du anderen Jungunternehmen im mobile Business mit auf den Weg geben würdest?

CP: Alles dauert immer länger als man denkt. Das gilt besonders für kommerzielle Vereinbarungen und Umsätze. Alles verändert sich auch schneller als man denkt. Das gilt besonders für den Technologiebereich. Man muss sehr flexibel sein, um auf Veränderungen schnell reagieren zu können. Diese Dinge sollte man beim Erstellen des Businessplans unbedingt bedenken.


MoMo: Am Anfang des Jahres hatten wir das Thema App Marketing diskutiert. Welche Form von Werbung war für Euch essentiell um viele Benutzer zu bekommen?

CP: Das Thema App Marketing in den App Stores ist sehr komplex, da die App Stores alle etwas unterschiedlich funktionieren. Entweder man ist eine „big Brand“ oder man hat Glück und kommt automatisch unter die Top Downloads. Dort wollen natürlich alle hin. Wenn man kein “big Brand” ist, muss man sich andere Strategien überlegen:

Zum Beispiel kann man Geld in die Hand nehmen und Downloads kaufen. Aus unserer Erfahrung sind die Ad Conversion-Rates aber nicht besonders gut und ein gekaufter User ist auch ziemlich teuer. Hingegen sind Kooperationen mit großen Partnern wie z.B. Netzbetreibern und Endgeräteherstellern immer von Vorteil. Der Nachteil solcher Kooperationen ist, dass dafür oft lange Vorlaufzeiten mit eingeplant werden müssen.
 
Wir sind mit dem Erstellen von “Clones“ zur ADAFFIX Master-App recht erfolgreich.  
Clones sind Kopien von der eigentlichen App, die sich nur im Auftritt von der Ursprungsapplikation unterscheiden und so zielgruppengerecht verpackt werden. Wir wollen auf diese Weise in möglichst vielen Kategorien vertreten zu sein um mehr User anzusprechen, in etwa so als ob man als Waschmittelmarke im Supermarkt versucht mit verschiedenen Verpackungen in mehreren Regalen positioniert zu sein.


MoMo: Von welchem ausländischen Markt können heimische Entwickler/Unternehmer etwas lernen und was?
CP: Im App Bereich geht es im Grunde nur um Distribution. Wenn man in einem Markt wie den USA an den Start geht, hat man potentiell 300+ Millionen Konsumenten. In Österreich sind des 8 Millionen. Der Aufwand des Markteintritts ist meistens gleich.
Auch die Investment Risikobereitschaft und die Ticketgrösse der Investments sind in USA großer. Von meiner Investor-Tour in den USA weiß ich, dass man als Start-up unbedingt in USA vor Ort sein muss, wenn man Kapital von einem US basierten Investor bekommen möchte.

MoMo: Wie ist das Geschäftsmodell von ADAFFIX? Wie verdient ihr Geld mit eurer App?

CP: Die App ist für den Benutzer gratis. Wir verdienen Geld, wenn wir Werbekunden von unseren Telefonverzeichnispartnern in der ADAFFIX App anzeigen.


MoMo: Wie siehst du die mobile Landschaft in Österreich? Vorne dabei oder hinten nach?

CP: Ich denke, dass gerade in den letzten Jahren sehr viele interessante mobile Innovationen aus Österreich gekommen sind. Der Mobilfunkmarkt ist extrem kompetitiv. Als Testmarkt ist Österreich sehr gut geeignet.



MoMo: Bitte nenn Deine derzeitige Lieblings-App, mobile Website, mobiler Service?

CP: Ich ein großer Fan von Google Maps. Das war die zweite App, die ich heruntergeladen habe, als ich kürzlich auf ein neues Smartphone umgestiegen bin. Die erste war natürlich ADAFFIX.



MoMo: Was sind eure nächsten Projekte? Kannst Du schon etwas verraten?

CP: Einerseits wird der internationale Roll-out der App weitergehen. Andererseits haben wir neben der App jetzt auch eine Netzwerk basierte Lösung für Mobilfunkbetreiber. Dabei werden in der Benachrichtigungs-SMS zu entgangenen Anrufen nicht nur die Nummer des Anrufers, sondern auch der Name und die Adresse des Anrufers angezeigt. In Österreich sind wir bei Orange seit Oktober damit live.